Gastronomie, Twitch
und das Auto dazwischen

Zwei Geschäfte, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Über Jahre Gastronomie, mit allem, was dazugehört — Wareneinkauf, Lieferanten, spontane Nachbestellungen, wenn mitten im Betrieb etwas ausgeht. Parallel dazu, seit Längerem, YouTube und Twitch, wo die Fahrten anders aussehen: Equipment holen, zu einem Dreh fahren, ein Treffen mit anderen Creators. Verbindendes Element war in beiden Fällen derselbe Privatwagen — und in beiden Fällen habe ich die Fahrten über weite Strecken einfach nicht abgerechnet.

Warum ich es gelassen habe

Nicht, weil die Fahrten nicht absetzbar gewesen wären. Wareneinkauf für den Gastro-Betrieb, Equipment für den Content — beides sind ganz normale Betriebsausgaben, wenn man sie mit einem ordentlichen Fahrtenbuch nachweisen kann. Der Grund war eher: Bei drei, vier Fahrten im Monat erschien mir der Aufwand für ein sauberes Fahrtenbuch größer als der Nutzen. Und die Apps, die ich mir angeschaut habe, waren für genau diese Größenordnung nicht gemacht — kostenlos bis zehn oder fünfzehn Fahrten im Monat, danach ein Abo, das sich bei meinem Fahrtenaufkommen nie amortisiert hätte.

Also habe ich, ähnlich wie viele andere nebenberuflich oder im Zweitgeschäft Selbstständige, die Kilometerpauschale schlicht verschenkt. Nicht aus Unwissenheit, sondern weil die verfügbaren Werkzeuge für Wenigfahrer nicht passten. Mehr zu diesem Muster — wann sich ein Fahrtenbuch trotz weniger Fahrten überhaupt lohnt — steht im Ratgeber-Artikel Nebenberuflich: Wann lohnt sich ein Fahrtenbuch?.

Zwei Geschäfte, eine Regel

Was mir bei beiden Geschäftsmodellen erst spät klar wurde: Für das Finanzamt zählt nicht, ob eine Fahrt zur Gastronomie oder zum YouTube-Kanal gehört, sondern ob sie betrieblich veranlasst ist. Ein Kundentermin, eine Materialbeschaffung, eine Fahrt zum Dreh — alles absetzbar, wenn dokumentiert. Eine private Erledigung auf demselben Weg — nicht absetzbar, egal wie sehr sie sich "irgendwie beruflich" anfühlt. Diese Abgrenzung im Alltag sauber zu ziehen, ist der eigentlich schwierige Teil, nicht die Steuerregel selbst. Eine Übersicht, welche Fahrten in der Praxis wirklich zählen, gibt es im Artikel Welche Fahrten darf ich absetzen?.

Was sich für mich geändert hat

Der Grund, warum ich heute wieder jede Fahrt aufzeichne, ist banal: Ich muss nichts mehr manuell eintragen. GPS erkennt Start und Ziel, ich bestätige nur noch kurz, ob die Fahrt privat oder geschäftlich war. Bei drei Fahrten im Monat dauert das insgesamt vielleicht zwei Minuten — und die Basisversion von einfaches-fahrtenbuch.de bleibt für genau diesen Fall dauerhaft kostenlos, weil sie sich über Werbung finanziert statt über ein Abo, das sich für Wenigfahrer nicht rechnet.

Für zwei so unterschiedliche Geschäfte wie ein Gastronomie-Betrieb und einen Streaming-Kanal war das der eigentliche Hebel: nicht eine bessere Steuerregel, sondern ein Werkzeug, das bei wenigen Fahrten nicht mehr Aufwand macht, als die Fahrten selbst wert sind.

Manuel Schröder
Autor, einfaches-fahrtenbuch.de

Selbstständig seit Jahren im Neben- und Haupterwerb — mit Gastronomie, YouTube und Twitch sowie einem Vertrieb für Parfum und Kosmetik. Aus eigener Erfahrung mit einem Fahrtenbuch, das er selbst irgendwann aufgegeben hatte, ist einfaches-fahrtenbuch.de entstanden. Mehr über Manuel →

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